Architekt haftet für unzureichende Absturzsicherung des Bauunternehmers

Obwohl der Bauunternehmer primär für die Sicherheit auf der Baustelle sorgen muss, haftet auch der bauüberwachenden Architekt für Unfälle durch Gefahrenquellen auf der Baustelle (BGH, Urteil vom 18.11.2014 – VI ZR 47/13). Trifft der Architekt keine angemessenen Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz von Personen, verletzt er seine Verkehrssicherungspflicht. Im zugrundeliegenden Fall war ein vom Bauunternehmer eingesetzter Leiharbeitnehmer von einer ungesicherten Absturzkante gestürzt. Die Gefahrenlage war Architekt und Bauunternehmer bekannt.

Der Architekt berief sich darauf, dass er den Bauunternehmer rechtzeitig auf die Gefahrenquelle hingewiesen hatte. Das Gericht sah darin jedoch keine ausreichende Gewähr, dass Dritte nicht zu Schaden kommen würden. Ohne ausdrückliche Anweisung und Kontrolle, durfte der Architekt nicht darauf vertrauen, dass der Bauunternehmer rechtzeitig besondere Schutzvorkehrungen trifft. Das Gericht sah eine typische Gefahr verwirklicht, die mit der Abfolge verschiedener Gewerke und dem Tätigwerden einer Vielzahl von Personen bei der Errichtung des Bauwerks verbunden ist.

Mit der Bauüberwachung beauftragte Architekten und Ingenieure sollten darauf achten, dass erkennbare Gefahrenquellen unverzüglich gesichert werden. Gegebenenfalls müssen die Arbeiten in diesen Bereichen eingestellt werden. Die bloße Mitteilung an den verantwortlichen Bauunternehmer genügt nicht.

Dr. Rainer Laux, Dr. Andreas Digel, Henrik Jacobsen

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