Architekt muss über Realisierbarkeit des Vorhabens aufklären

Ist der Architekt mit der Leistungsphase 1 nach HOAI beauftragt, steht er in der Pflicht, die Ziele des Bauherrn zu ermitteln und zu prüfen, wie dessen Vorgaben planerisch umzusetzen sind. Auch über Finanzierbarkeit und Höhe der Baukosten muss der Architekt aufklären. Kommt der Architekt zum Ergebnis, dass sich die Wünsche des Bauherrn finanziell nicht realisieren lassen, steht er in der Pflicht, entsprechende Hinweise zu erteilen und Planungsalternativen aufzuzeigen. Dies hat das LG Bamberg (Az. 3 S 108/15) zugunsten eines Bauherrn entschieden. Unterlässt der Architekt die notwendige Aufklärung seines Bauherrn und kommt es deshalb zu einer Überschreitung des vorgegebenen Kostenrahmens, ist der Bauherr zur außerordentlichen Kündigung des Architektenvertrages berechtigt. Die Parteien hatten sich im konkreten Fall auf einen Kostenrahmen geeinigt. Diesen überschritt der Architekt mit seiner Planung deutlich und schaffte damit selbst die Voraussetzungen für die Kündigung durch seinen Bauherrn.

Eine Frist zur Nachbesserung, welche grundsätzlich auch bei Überschreitung des Kostenrahmens zu setzen ist, war hier nach Auffassung des Gerichts nicht erforderlich. Der Architekt hatte auf Nachfrage gegenüber seinem Bauherrn geäußert, dass keine Einsparungen möglich sind. Aus Sicht des Bauherrn wäre das Setzen einer Nachfrist damit ohne Aussicht auf Erfolg gewesen.

Dr. Andreas Digel, Henrik Jacobsen

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