Vergütet werden nur erforderliche Leistungen

Nicht selten fehlt es bei Architekten und Ingenieuren an einer hinreichend deutlichen Bestimmung der von ihnen zu erbringenden Leistungen. Dies verursacht bisweilen Schwierigkeiten, das ihnen nach HOAI zustehende Honorar zu ermitteln. Eine für solche Fälle bedeutsame Entscheidung hat unlängst das OLG Düsseldorf gefällt (Az. 23 U 80/14). Ein Architekt begleitete auf Zuruf die Baumaßnahme einer Wohnungseigentümergemeinschaft und wurde je nach den Erfordernissen des Einzelfalls tätig. Er rechnete ungeachtet dessen den vollen Vomhundertsatz für jede von ihm erbrachte HOAI-Leistungsphase ab. Dem erteilte das Gericht eine Absage: Das Gericht legte den Auftrag des Architekten dahingehend aus, dass er nur die für die jeweilige Tätigkeit erforderliche Leistung zu erbringen hatte und somit für die Grundleistungen nur ein Honorar berechnen kann, das dem Anteil der übertragenen Leistungen an der gesamten Leistungsphase entspricht. Für die Bestimmung dieses Anteils darf die sogenannte Siemon-Tabelle oder Tabellen anderer Honorarsachverständiger herangezogen werden.

Das Urteil entspricht den Bestimmungen der HOAI: Nur die Grundleistungen, die beauftragt sind, sind auch zu vergüten. Dies folgt aus § 8 Abs. 2 HOAI. Ein auf vergleichbarer Grundlage tätiger Architekt oder Ingenieur kommt somit nicht umhin, die von ihm erbrachten Leistungen in den Grundleistungskatalog der HOAI einzuordnen und anhand der einschlägigen Teilleistungstabellen zu bewerten. Ein pauschaler Rückgriff auf die Vomhundertsätze der HOAI für die jeweilige Leistungsphase ist nicht möglich.

Dr. Andreas Digel, Henrik Jacobsen

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