Deliktische Haftung des Architekten

Dass Architekten gegenüber ihrem Auftraggeber für Bauüberwachungsfehler haften ist bekannt. Sollten Bauüberwachungsfehler zu Schäden bei Dritten führen, kommt allerdings auch eine Haftung diesen gegenüber in Betracht.

Das hat jüngst das OLG Köln (7 U 117/20) entschieden. Im konkreten Fall war der Architekt mit der Planung und Objektüberwachung für die Sanierung eines vermieteten Gebäudes beauftragt. Die Planung sah eine provisorische Ableitung von Abgasen aufgrund des vorgesehenen Rückbaus von Kaminzügen vor. Im Zuge der Bauausführung verstopfte der Rohbauunternehmer einen der Kaminzüge mit Mineralwolle, wodurch Abgase in die daran angeschlossene Wohnung gelangten. Die Mieter erlitten Vergiftungen. Das OLG Köln verurteilte den bauüberwachenden Architekten nicht nur zur Schadenersatzzahlung an seinen Auftraggeber, sondern auch an die geschädigten Mieter, zu denen keine Vertragsbeziehung bestand. Die Haftung gegenüber den Mietern folgt nach Auffassung des OLG Köln aus der Verletzung einer Verkehrssicherungspflicht. Zwar treffe den Architekten gegenüber den Mietern nur eine sekundäre Verkehrssicherungspflicht, er werde allerdings primär verkehrssicherungspflichtig, wenn Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass der Unternehmer nicht genügend sachkundig und zuverlässig ist, wenn er die Gefahrenquellen erkannt hat oder wenn er diese bei gewissenhafter Beobachtung der ihm obliegenden Sorgfalt hätte erkennen müssen. In diesen Fällen sei der Architekt gehalten, die notwendigen Vorkehrungen zu treffen, um eine Schädigung anderer zu verhindern. Konkret hätte der Architekt sich von der ordnungsgemäßen provisorischen Ableitung der Abgase aller aktiven Kaminzüge vergewissern und die provisorische Ableitung regelmäßigen Kontrollen unterziehen müssen. Dem ist der Architekt vorliegend nicht nachgekommen.

Markus Kitzenmaier

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